News vom 10.02.2015

Eine lehrreiche Geschichte aus der Kreditkarten-Branche

Von den Anfängen der Kreditkarten: 1949, in einer Zeit, als es noch keine Bankautomaten und kein Online-Banking gab, ging Frank McNamara, Geschäftsführer der Hamilton Corporation, mit seinem langjährigen Freund Alfred Bloomingdale (Enkel des Gründers von Bloomingdale’s) und dem Anwalt Ralph Sneider zum Lunch. Sie aßen im berühmten New Yorker Restaurant Major’s Cabin Grill. Am Ende des Essens bemerkte McNamara, dass er sein Portmonee vergessen hatte – er musste seine Frau anrufen und sich Geld bringen lassen. Dass war der Impuls für eine Geschäftsidee: McNamara hatte die neue Idee ein Zahlungsmittel zu erfinden, das Kunden in verschiedenen Geschäften nutzen können. (Diese Geschichte gehört wohl in das Reich des Storytelling und ist erfunden, siehe Wikipedia)

Neu war an diesem Konzept, dass für die Zahlungsabwicklung ein Payment Provider/Mittelsmann zwischen das Geschäft und den Kunden eingeschaltet wurde. McNamara und Sneider gründeten auf Basis dieser Idee die erste Kreditkartengesellschaft der Welt 1950 mit dem Namen Diners Club mit einem neuen Business Modell: Statt individueller Kredite der einzelnen Geschäfte (das damals übliche Verfahren) bot Diners den Kunden Kredit in vielen Geschäften und übernahm die Abwicklung. Zielgruppe dieser ersten Kreditkarten waren Verkäufer, die durch das Land reisten und während der Reise viel Bargeld für Restaurants benötigten. Kritische Erfolgsfaktoren waren in den Anfängen des Unternehmens nicht nur die Überzeugung der Endkunden (also der Kreditkartenhalter), sondern natürlich auch die Gewinnung von Abnahmestellen (also der Restaurants). Anfang 1950 schaffte es Diners Club, 200 Personen zu gewinnen (meist Freunde von McNamara) und wurde von 27 Restaurants in New York akzeptiert. Aller Anfang ist schwer und so wuchs auch das Geschäft von Diners Club zunächst langsam. Bereits Ende des Jahres 1950 hatte Diners Club 20.000 Kunden. Das richtige Marktwachstum kam dann allerdings durch den öffentlichen Einstieg Bloomingdales in das Geschäft - mit seinem guten Namen stand er für die neue Geschäftsidee. Schaut man heute auf den Kreditkartenmarkt muss man leider feststellen, dass der Pionier von damals heute nicht Marktführer ist (siehe Posting zu dem Business Case des Kreditkartenmarkts). Diners Card war nicht als Kreditkarte für jedermann gedacht und wurde durch die Bank Americard mit einem viel breiter angelegten Konzept 1958 überholt. Hätte Diners Club eine umfassende Wettbewerbsanalyse und Marktbeobachtung durchgeführt, sähe der Markt heute vielleicht anders aus...